Frau Riekel, vor über 20 Jahren haben Sie TRIBUTE TO BAMBI gestartet. Wie hat sich die Charity-Landschaft seitdem verändert? Ist es heute eher leichter oder schwerer, Geld für den guten Zweck zu sammeln?
Das ist schwer zu beantworten. Auf der einen Seite habe ich den Eindruck, dass Empathie und Mitgefühl für Kinder in Not steigen, weil die Kluft zwischen Arm und Reich immer dramatischer wird und wir auch durch Medien auf allen Kanälen immer mehr erfahren, wo es hapert. Ich finde es schockierend, dass immer mehr Kinder, gerade in einem reichen Land wie Deutschland, Hilfe von außen brauchen. Andererseits ist der Wettbewerb unter den wohltätigen Organisationen größer geworden, denn durch die niedrigen Zinsen müssen immer mehr Stiftungen Spenden sammeln, um genug Mittel für ihre Arbeit zur Verfügung zu haben. Dazu kommt, dass gerade die großen Hilfsorganisationen sich in der Spendenwerbung stark professionalisiert haben. Für die kleineren Organisationen, die nicht so viel ausgeben wollen, um sich darzustellen, wird es daher schwieriger, auf sich aufmerksam zu machen. Das Spendenaufkommen ist zwar insgesamt nicht weniger geworden, aber angesichts der Krisen der letzten Jahre hat es sich stark auf Katastrophenhilfe verlagert, für die man kurzfristig viele Spenden sammeln kann, weil die Not die Menschen sehr bewegt. Allerdings wird es insgesamt schwieriger, für kontinuierliche Arbeit außerhalb von Katastrophen Gelder zu bekommen. Es ist manchmal auch schwer zu vermitteln, dass ausgerechnet in Deutschland Kinder in solcher Not leben, dass Familien sich zum Beispiel bestimmte Medikamente, eine gute Ausbildung oder kulturelle Förderung nicht leisten können. Wir verorten Armut meistens in Ländern weit weg von uns. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft aber leben Kinder, denen es an allem fehlt.
Viele gemeinnützige Initiativen und Projekte werben um die Gunst von Prominenten und anderen (Hoch-)Vermögenden. Wie schafft man es da herauszustechen?
Für eine Stiftung ist es wichtig, auf ihre Projekte und Themen aufmerksam machen zu können. Als Stiftung des Medienunternehmens Hubert Burda Media haben wir glücklicherweise gute Kontakte zu den Journalistinnen und Journalisten in den Redaktionen. Damit erreichen wir nicht nur die Leser, sondern auch prominente Personen, die sich für die gute Sache einsetzen möchten. Manche Stars haben zum Beispiel selbst Hilfsprojekte, für die sie Unterstützung suchen. Es gibt auch viele Prominente, die uns ihre Hilfe anbieten, weil sie ihre Bekanntheit oder finanziellen Möglichkeiten für einen guten Zweck einsetzen möchten. Wichtig ist es, als Stiftung transparent zu arbeiten, weil Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, hohe Ansprüche an die Organisation und deren Reputation haben.
Unter den derzeitigen Pandemie-Bedingungen ist es nur schwer möglich, ein Charity-Dinner oder eine Spendengala im klassischen Sinne durchzuführen. Welche auch für Promis attraktiven Formate nutzen Sie stattdessen?
Seit Beginn der Pandemie haben wir an Konzepten gearbeitet, wie wir auch ohne Events weiter Spenden sammeln können. Mit der Kampagne unter dem Hashtag #BAMBIhilftKindern haben wir zum Beispiel im zweiten Lockdown auf unseren digitalen Kanälen verschiedene Formate mit Unterstützung unserer prominenten Partner angeboten, Livestreams auf Instagram, Hintergrundgespräche mit prominenten Paten, kleine Konzerte verbunden mit Spendenaufrufen auf YouTube, zum Beispiel von Tom Gregory und Sasha. Dabei war uns wichtig, unsere Spender aus möglichst vielen verschiedenen Zielgruppen anzusprechen, und dafür haben wir auch entsprechend Unterstützung bekommen – von Influencern, Schauspielern und Musikern. Die Prominenten haben uns dabei gerne unterstützt, weil sie auf die Situation von Kindern in Not aufmerksam machen wollten – aber auch, weil besonders Künstler auf diese Weise trotz der fehlenden Auftritte weiter den Kontakt zu ihrem Publikum aufrecht erhalten konnten.
Ihre Stiftung unterstützt eine ganze Bandbreite verschiedener Projekte für Kinder und Jugendliche. Nach welchen Kriterien wählen Sie Projekte aus, die Sie fördern?
Unser Fokus liegt auf der Unterstützung von eher kleinen, sehr oft ehrenamtlich getragenen Projekten, wo Menschen eine Idee haben, etwas für Kinder zu tun, denen es nicht gut geht. Ganz oft sind das Eltern oder Bekannte von Betroffenen, die sich zusammenschließen und dafür Unterstützung benötigen, Lehrer zum Beispiel oder Nachbarn. Dabei entstehen sehr oft neue, innovative Ansätze für Hilfe, die wir gerne fördern und aufbauen möchten. Wir unterstützen Projekte in drei Förderbereichen: gesundheitliches Wohlbefinden, soziale Teilhabe und Kinderschutz – und es ist uns wichtig, dass unsere Hilfe langfristig etwas verbessert. Dass also ein Kind auf seinem weiteren Lebensweg durch die Unterstützung profitiert, weil es zum Beispiel einen Schulabschluss machen und einen Beruf ergreifen kann. Und auch eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft auf einer übergeordneten Ebene ist uns wichtig, um bestehende Probleme hoffentlich Stück für Stück verbessern zu können.